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Hast du schon einmal jemanden eingestellt, von dem du wusstest, dass er talentiert ist – und trotzdem hat es nicht funktioniert? Auf dem Papier war alles perfekt: Erfahrung top, Kompetenzen vorhanden, sogar die Werte schienen zu passen. Aber irgendwie machte es nie „klick“. Das ist frustrierend, teuer – und in wachsenden Unternehmen leider völlig normal.
In meiner Arbeit mit über 100 Unternehmen sehe ich dieses Muster ständig. Die gute Nachricht: Diese Probleme sind kein Schicksal. Mit den richtigen Werkzeugen erkennst du Fehlpassungen früh und triffst bessere Personalentscheidungen. In diesem Beitrag zeige ich dir, warum vermeintliche People-Probleme fast immer Passungs-Probleme sind – und wie du sie systematisch löst.
Wenn du schon einmal gedacht hast „Die Person kapiert es einfach nicht“ oder „Der Mensch ist super, aber …“, dann bist du in bester Gesellschaft. Fast alle Unternehmerinnen und Unternehmer kämpfen mit Themen, die persönlich und emotional wirken. Doch in Wirklichkeit liegt das Problem selten an der Person selbst – sondern an mangelnder Passung.
Der Management-Forscher Jim Collins hat dafür ein einprägsames Bild geprägt: „Erst die richtigen Leute in den Bus, dann die Richtung festlegen.“ („First Who, Then What.“) Entscheidend ist also nicht nur, ob jemand fähig ist, sondern ob er auf dem richtigen Platz im Bus sitzt. Genau hier setzt das Prinzip „Right People, Right Seats“ an, das der Unternehmer Gino Wickman in seinem Buch „Traction“ bekannt gemacht hat: die richtigen Menschen auf den richtigen Positionen.
Konkret bedeutet das zwei Dinge:
Wenn nur einer dieser beiden Punkte auch nur leicht danebenliegt, entsteht Reibung. Erwartungen werden unscharf, Missverständnisse nehmen zu, die Verbindlichkeit sinkt. Du managst ständig dieselben Probleme, statt dein Unternehmen voranzubringen. Aber: Das sind keine mysteriösen Charakterfragen. Es sind Ausrichtungsfragen – und Ausrichtung lässt sich systematisch herstellen.
Ein Beispiel aus der Praxis: Ein technisch brillanter Entwickler wird zum Teamleiter befördert – und plötzlich läuft es schlechter. Nicht, weil er schwächer geworden wäre, sondern weil Führung andere Stärken verlangt als Programmieren. Er sitzt schlicht im falschen Sitz. Solche Fälle wirken wie Personalprobleme, sind in Wahrheit aber Besetzungsfragen. Wer das erkennt, spart sich viel Frust – und rettet oft eine wertvolle Fachkraft, indem er sie zurück in ihre eigentliche Stärke bringt, statt sie zu verlieren.
„Die richtigen Leute auf den richtigen Plätzen“ klingt einfach – im Alltag ist es das selten. Viele Führungskräfte verlassen sich auf ihr Bauchgefühl. Das führt zu Fehlbesetzungen, Frust und verlorener Zeit. Mit den folgenden zwei Werkzeugen ersetzt du Bauchgefühl durch System.
Jedes Unternehmen hat Core Values – aber nicht jeder lebt sie. Das Core-Values-Assessment macht die kulturelle Passung sichtbar und schafft im Führungsteam eine gemeinsame Sprache. So gehst du vor:
Das schafft sofort Klarheit, ohne dass es ins Persönliche kippt: Wer stärkt unsere Kultur – und wer zieht sie zurück? Wichtig ist, dass dieses Werkzeug nie zur Bestrafung dient, sondern als ehrliche, faire Standortbestimmung.
Wenn die kulturelle Passung geklärt ist, geht es um die Rolle. Gino Wickman hat dafür einen einfachen, aber wirkungsvollen Test entwickelt. Er stellt drei Fragen zu jeder Person und ihrer Position:
Lautet eine der drei Antworten „nein“, ist es höchstwahrscheinlich nicht die richtige Rolle. Der große Vorteil: Du erkennst die Ursache klar und sachlich – ohne Drama, ohne Schuldzuweisung. Oft zeigt sich dabei, dass eine eigentlich starke Person nur auf dem falschen Platz sitzt und in einer anderen Rolle aufblühen würde.
Ergänzend lohnt sich ein Blick auf Patrick Lencionis Idee vom „idealen Teamplayer“. In seinem gleichnamigen Buch beschreibt er drei Eigenschaften, die jemanden wirklich teamfähig machen: bescheiden (stellt das Team über das eigene Ego), hungrig (übernimmt Verantwortung und treibt Dinge voran) und menschlich klug (geht feinfühlig mit anderen um). Fehlt eine dieser Eigenschaften dauerhaft, wird Zusammenarbeit anstrengend – selbst bei großem Fachwissen.
Sobald Werte und Rollen zusammenpassen, wird das Unternehmen spürbar leichter. Die Reibung verschwindet:
Und vor allem: Du als Führungskraft bist wieder frei, strategisch zu denken – statt operativ zu reparieren.
Personalentscheidungen müssen kein Ratespiel sein. Mit den beiden Werkzeugen bekommst du eine sachliche Grundlage. Zwei konkrete nächste Schritte:
Bevor du loslegst, lohnt ein Blick auf die typischen Stolperfallen, die ich in der Beratung immer wieder sehe:
So wird aus einer emotionalen Dauerbelastung eine sachliche Führungsaufgabe, die du Schritt für Schritt lösen kannst – mit weniger Drama und besseren Ergebnissen.
Das Prinzip beschreibt zwei Bedingungen für ein starkes Team: Die „richtigen Menschen“ leben die Core Values des Unternehmens, und der „richtige Platz“ ist eine Rolle, die zu ihren Stärken passt und in der sie verlässlich liefern. Beides muss zusammenkommen.
Stelle drei Fragen: Versteht die Person ihre Rolle? Will sie diese Rolle? Hat sie die Fähigkeiten und Kapazität dafür? Ein klares Nein bei nur einer Frage ist ein deutliches Signal – oft passt die Person ins Unternehmen, aber nicht in diese konkrete Rolle.
Nicht automatisch. Oft hilft ein offenes Gespräch oder ein Rollenwechsel. Entscheidend ist Klarheit: Wer die Core Values dauerhaft und bewusst verletzt, schadet der Kultur. Wer sie leben will, verdient Unterstützung und eine faire Chance zur Entwicklung.
Wenn Menschen im Unternehmen nicht optimal eingesetzt sind, bremst das dein Wachstum, belastet die Kultur und kostet dich Energie. Die Lösung liegt fast nie in mehr Druck, sondern in mehr Klarheit. Sortiere zuerst die Werte, dann die Rollen – und du wirst überrascht sein, wie viele vermeintliche People-Probleme sich in Luft auflösen.
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Lorenz Hartung begleitet als Growth Advisor und zertifizierter Scaling-Up-Coach inhabergeführte Unternehmen auf dem Weg zu nachhaltigem Wachstum – mit Fokus auf den deutschsprachigen Raum und Firmen, die in Richtung 10 Mio. Euro Umsatz und darüber hinaus skalieren. In seiner Laufbahn hat er über 150 Start-ups und Wachstumsunternehmen gecoacht, die zusammen mehr als 1 Mrd. Euro an Finanzierung eingesammelt haben. Er ist Geschäftsführer der PEAKZONE GmbH, war Mitgründer des Münchner Accelerators TechFounders und ist Speaker zu den Themen Entrepreneurship und Strategie. Seine Wurzeln im Leistungssport (ehemaliger Bundesliga-Triathlet) prägen seine Arbeitsweise: klar, ehrlich, leistungsorientiert – und immer als Sparringspartner auf Augenhöhe.